Anleitung zur Montage des Airholder Dachträgers mit Fokus auf Schraubensicherung

Schraubensicherung oder regelmäßiges Nachziehen: Was hält besser am Airholder Dachträger?

Denis Khristolyubov

Jeder Dachträger-Besitzer stellt früher oder später dieselbe Frage: Muss man die Verbindungen alle 200 Kilometer nachziehen? Die Antwort hängt davon ab, wie die Schraube überhaupt gegen Vibration gesichert ist. Es gibt zwei praktikable Ansätze: per Drehmoment regelmäßig nachziehen — oder bei der Montage Schraubensicherung auftragen. Beide haben ihre Einsatzgebiete, Vor- und Nachteile.

Bei Airholder haben wir uns für ein konkretes Produkt entschieden — INBUS® 79680 Schraubensicherung hochfest — und legen es jedem Dachträger-Bausatz bei. In diesem Beitrag erklären wir, warum genau dieses Produkt, wo der Unterschied zwischen den Methoden liegt und welcher Ansatz wann sinnvoll ist.

Dieser flüssige Kunststoff dient zur Sicherung von Schraubverbindungen gegen selbstständiges Lösen durch Vibrationen oder Stoßbelastungen.

Kurz gesagt: was besser ist

  • Für dauerhafte Befestigungen (Halter für Dachzelt, Körbe, Reservereifenhalter, Anbauteile, die einmal montiert werden und über Saisons stehen) — Schraubensicherung ist klar überlegen. Einmal aufgetragen, vergessen.
  • Für temporäre / häufig wechselnde Halter (z. B. Fahrradträger, der heute drauf, nächste Woche wieder ab kommt) — Nachziehen mit Drehmoment ist praktischer: nichts klebt, das Umsetzen geht in Sekunden.
  • Für Spanngurte und Spannratschen — nur Spannen / Sichtkontrolle. Schraubensicherung hat mit Gurten nichts zu tun.
  • Für die Plattform Airholder selbst auf den Fixpunkten — werksseitiger Befestigungssatz mit eingebauter Sicherung. Er wird strikt nach Drehmoment angezogen, ohne zusätzliche Mittel.

Im Folgenden im Detail.

Woher das Problem kommt: Vibration und selbsttätiges Lösen

Jede Schraubverbindung neigt unter Vibration zum selbsttätigen Lösen. Besonders bei Querschwingungen, die im Fahrbetrieb völlig normal sind: Serpentinen, schlechter Asphalt, Bordsteine, Bremsschwellen.

Im Labor wird das nach DIN 65151 untersucht (Junker-Test). Die Ergebnisse zeigen: eine ungesicherte M8-Schraube verliert ihre Vorspannkraft auf einem Vibrationsprüfstand innerhalb weniger Minuten. Im echten Fahrzeugbetrieb sind das natürlich nicht Minuten — aber während einer zweiwöchigen Bergtour kann sich tatsächlich locker werden, was zu Beginn fest saß.

Es gibt zwei Lösungen:

  1. Drehmoment regelmäßig wiederherstellen — also die Verbindung periodisch mit dem Drehmomentschlüssel kontrollieren und nachziehen.
  2. Das Gewinde blockieren — ein anaerobes Polymer auftragen, das den Spalt zwischen den Gewindegängen ausfüllt und das Lösen verhindert.

Beide Wege funktionieren. Der Unterschied liegt in Bequemlichkeit, Zuverlässigkeit und Einsatzszenario.

Methode 1: Regelmäßiges Nachziehen mit Drehmoment

Funktionsweise

Nach der Montage und alle paar hundert Kilometer wird das Drehmoment mit dem Drehmomentschlüssel kontrolliert. Für M8 an Airholder-Haltern beträgt das typische Anzugsmoment 20–25 Nm.

Vorteile

  • Keine Chemie, nichts klebt
  • Halter umsetzen geht in Sekunden
  • Funktioniert bei jeder Schraubverbindung, auch nicht-standardisierten Gewinden

Nachteile

  • Erfordert Disziplin — wer vergisst zu prüfen, riskiert Spiel. Auf Bergtouren empfohlen: nach den ersten 50 km, danach alle 200–300 km
  • Drehmomentschlüssel muss mit unterwegs sein, sonst wird „nach Gefühl" nachgezogen — und M8 wird damit schnell überdreht
  • Bei Regen, Schnee oder Kälte mit dem Schlüssel aufs Dach klettern ist nicht angenehm
  • Schützt nicht vor Wassereintritt in das Gewinde — über Jahre kann Korrosion entstehen

Wann sinnvoll

  • Fahrradhalter und Träger, die häufig umgesetzt werden (alle ein bis zwei Wochen)
  • Test- oder temporäre Konfigurationen
  • Notfall-Szenario: wenn aus irgendeinem Grund keine Schraubensicherung verwendet wurde — funktioniert, aber als Dauerlösung suboptimal

Methode 2: Schraubensicherung

Funktionsweise

Auf das Schraubengewinde wird ein anaerobes Polymer aufgetragen — eine Flüssigkeit, die unter Luftabschluss aushärtet (also genau im fest verschraubten Spalt). Nach der Aushärtung sind die Gewindegänge mit festem Material gefüllt; die Schraube kann sich durch Vibration nicht mehr lösen.

Festigkeitsklassen:

  • niedrigfest (lila) — schwache Sicherung, für Stellschrauben und Feinmechanik
  • mittelfest (blau) — Kompromiss: hält, lässt sich aber bei Bedarf mit Standardwerkzeug lösen
  • hochfest (grün oder rot, je nach Hersteller) — maximaler Schutz gegen Lösen, Demontage erfordert Erwärmung oder deutlich höheres Losbrechmoment

Vorteile

  • Einmal aufgetragen — für die gesamte Lebensdauer der Verbindung. Unterwegs ist keine Drehmomentkontrolle nötig
  • Schutz gegen Wassereintritt: das Polymer dichtet das Gewinde zusätzlich ab, keine Korrosion
  • Funktioniert unabhängig davon, ob man am Stellplatz an die Drehmomentprüfung denkt — sichert immer
  • Gut für Verbindungen an schwer zugänglichen Stellen (z. B. untere Halterungen)

Nachteile

  • Braucht Aushärtezeit — handfest in Minuten, volle Festigkeit nach 8 Stunden
  • Muss bei der Montage korrekt aufgetragen werden — auf gereinigte, entfettete Gewinde, in der richtigen Menge
  • Bei hochfest ist die Demontage aufwendiger — Erwärmung mit Heißluftgebläse oder deutlich höheres Losbrechmoment erforderlich

Wann sinnvoll

  • Dauerhafte Halter — Dachzelt-Adapter, Körbe, Reservereifenhalter, alles was einmal aufgebaut wird und Saisons hält
  • Verbindungen an unzugänglichen Stellen
  • Jede Befestigung, bei der Sicherheit kritisch ist — also alles, was eine Last auf dem Dach eines fahrenden Fahrzeugs trägt

Unsere Wahl: INBUS® 79680 hochfest

Jedem Airholder-Bausatz legen wir eine Tube INBUS® 79680 Schraubensicherung hochfest, 20 g, Made in Germany bei. Das ist eine bewusste Entscheidung aus mehreren Gründen.

Warum INBUS

  • Made in Germany — produziert von INBUS Werkzeug GmbH in Breckerfeld. Stabile Qualität, transparente technische Daten
  • Geeignet für M6–M20 — unser M8 an den B-Profilen liegt mitten im Anwendungsbereich
  • Grüne Farbe (ColorCap) — unterscheidet sich von klassischen Loctite-Farben (blau/rot), in der Werkstatt schnell identifizierbar
  • +OneDrop-Flaschendesign — präzise Dosierung, läuft nicht, verschmiert nicht
  • Zusätzliche Abdichtung gegen Wassereintritt — entscheidend für einen Dachträger, der über Jahre Regen, Schnee und Streusalz ausgesetzt ist

Warum hochfest, nicht mittelfest

Das ist die häufigste Frage. Die Logik:

  • Halter am Airholder sind eine dauerhafte Installation, kein wechselndes Zubehör. Einmal auf das eigene Dachzelt oder den eigenen Fahrradträger eingestellt — und es läuft jahrelang
  • Auf dem Dach eines fahrenden Fahrzeugs ist das Risiko des Lösens kritisch in den Konsequenzen — ein abgeflogener Halter mit 100+ kg Last bei 130 km/h ist nicht dasselbe wie eine lose Schraube im Schrank
  • Hochfest gibt die maximale Reserve gegen Vibration, gerade auf Bergstrecken
  • Die Demontage bei hochfest ist tatsächlich aufwendiger — aber das ist eine seltene Operation, alle paar Jahre, und sie wird mit lokaler Erwärmung durch ein Heißluftgebläse (etwa 250 °C) gelöst

Für Verbindungen, die häufig demontiert werden sollen (Schnellwechsel-Adapter), gibt es mittelfest — etwa INBUS® 79560. Das ist eine Frage des Szenarios, kein Dogma.

Was im Bausatz steckt

Jedem Airholder-Dachträger-Bausatz (VW T6 Kurzer Radstand, Defender 110 und weitere Plattformen) liegt eine Tube INBUS 79680 bei — 20 Gramm mit Reserve für alle Standard-Halter im Bausatz plus zwei bis drei Umsetzungen. Nichts muss separat gekauft werden.

Welche Methode wann — nach Szenarien

Verbindung Methode Begründung
Halter Dachzelt → B-Profile Schraubensicherung hochfest Dauerhaft, lastkritisch
Halter Korb → B-Profile Schraubensicherung hochfest Dauerhaft, Korb kann Last verschieben
Halter Fahrradträger (stationär) → B-Profile Schraubensicherung hochfest Saisonale Installation
Halter Fahrradträger (häufig umgesetzt) Drehmoment 20–25 Nm Wenn alle 1–2 Wochen abgenommen
Halter Reservereifen / Kanister / Schaufel Schraubensicherung hochfest Dauerhaft, schwere Last
Plattform Airholder ↔ Fixpunkte VW T6 Werksseitiger Satz nach Drehmoment Werksseitig gesichert, nichts hinzufügen
Spanngurte über der Ladung Nur Spannen / Sichtkontrolle Gurte sind kein Gewinde
Adapter von Schnellwechsel-Systemen Mittelfest oder Drehmoment Abhängig von der Demontage-Häufigkeit

So trägt man INBUS 79680 richtig auf

  1. Gewinde reinigen — Schraube und Mutter bürsten, mit Lappen abwischen, entfetten (Spiritus oder Aceton)
  2. 1–2 Tropfen auf das Schraubengewinde geben (etwa 2–3 Gewindegänge, Richtung Schraubenende)
  3. Innerhalb weniger Minuten verschrauben — bevor die Flüssigkeit anzieht
  4. Mit Drehmoment 20–25 Nm anziehen für M8 an Airholder-Haltern
  5. Aushärten lassen — handfest nach 2–10 Minuten (bei aktiven Metallen wie Stahl), volle Festigkeit nach 8 Stunden
  6. Vor voller Aushärtung nicht mit voller Last belasten

Praktisch heißt das: Halter mit INBUS 79680 sollten mindestens einen Tag vor der Abfahrt montiert werden, besser zwei. Frisch aufgebauter Träger, der direkt in die Berge geht, ist schlechte Praxis.

Checkliste vor der Montage von Haltern mit Schraubensicherung

  • [ ] Gewinde von Schraube und T-Nutenstein gereinigt, entfettet
  • [ ] Tube INBUS 79680 nicht abgelaufen (Datum auf der Verpackung)
  • [ ] Drehmomentschlüssel auf 20–25 Nm eingestellt
  • [ ] Alle Halter, die in dieser Sitzung montiert werden, vorbereitet (parallele Aushärtung an mehreren Verbindungen)
  • [ ] Mindestens 24 Stunden Pause bis zur vollen Belastung eingeplant
  • [ ] Bei Wiedermontage (falls Halter zuvor abgenommen war) — Gewinde auf alte Polymer-Reste prüfen, ggf. mechanisch reinigen

Was wir NICHT empfehlen

  • Kein Loctite 222 oder vergleichbares niedrigfest (lila) an Dachträger-Befestigungen — zu schwach für die Vibrationsbelastung in den Bergen
  • Keine selbstsichernden Muttern als Ersatz für Schraubensicherung in unserem System — die Halter-Konstruktion ist auf normale M8 + Polymer ausgelegt, nicht auf Stoppmuttern
  • Keine mechanischen Konter-Muttern an der T-Nut der B-Profile — die Nut ist für T-Nutensteine ausgelegt, eine Konter-Mutter beschädigt das Profil
  • Keine Schraubensicherungen verschiedener Hersteller mischen auf demselben Gewinde — chemisch unterschiedliche Formulierungen reagieren nicht korrekt miteinander

 

Häufig gestellte Fragen

Warum legen Sie hochfest bei, nicht mittelfest?

Weil Halter am Airholder eine dauerhafte Installation sind, kein Wechsel-Zubehör. Die Vibrationsbelastung auf Bergstrecken ist hoch, die Konsequenzen eines Lösens kritisch. Hochfest gibt die maximale Reserve. Bei häufigem Umsetzen wird separat mittelfest empfohlen (INBUS 79560 oder vergleichbar).

Kann man auch eine andere Marke verwenden?

Ja, jede mittelfeste oder hochfeste Schraubensicherung eines bekannten Herstellers (INBUS, Loctite, Weicon, Würth) funktioniert. Wichtig: kein niedrigfest (lila) und keine abgelaufenen Produkte. Wir legen INBUS 79680 bei, weil wir mit Qualität und Dosierung zufrieden sind.

Wie löst man einen Halter wieder, wenn hochfest verwendet wurde?

Lokale Erwärmung mit Heißluftgebläse (250 °C) für 1–2 Minuten — das Polymer wird weich, die Schraube löst sich mit Standardwerkzeug Deutlich höheres Losbrechmoment — bei M8 etwa 30–40 Nm (wenn die Verbindung noch nicht final ausgehärtet ist) Aufbohren — letzter Ausweg, wenn Erwärmung nicht möglich ist

20 g in der Tube — für wie viele Halter reicht das?

20 g INBUS 79680 ist viel. Für einen Airholder-Bausatz mit typischem Aufbau (4–6 Halter, 1–2 Tropfen pro Gewinde) werden etwa 1–2 Gramm verbraucht. Die Tube reicht für mehrere Umsetzungen plus Reserve.

Funktioniert die Aushärtung bei niedrigen Temperaturen?

Anaerobe Polymere härten unter Luftabschluss und im Kontakt mit Metallionen aus. Bei Kälte verlangsamt sich die Aushärtung — nicht im Frost montieren. Optimal ist Raumtemperatur (etwa 20 °C); dann entspricht die Aushärtezeit dem Datenblatt.